Auto überführen: Grundlagen zum Transfer des Fahrzeugs

Autobahn von oben

Logisch, ein Auto ist zum Fahren gebaut. Damit es allerdings am Straßenverkehr teilnehmen darf, muss es der Straßenverkehrsordnung entsprechen sowie eine gültige Versicherung und Zulassung besitzen. Doch das ist nicht immer der Fall. Insbesondere beim Fahrzeugverkauf, wenn das Auto also den Besitzer wechselt, ist eine Überführung notwendig. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir verraten, welche Arten der Autoüberführung möglich sind, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und was bei einem Transport des eigenen Fahrzeugs beachtet werden sollte.

Welche Gründe sprechen für eine Autoüberführung?

PKW und LKW auf Autobahn

Es gibt mehrere Gründe, die eine Überführung des Fahrzeugs notwendig machen. Der Verkauf des Autos stellt eine Möglichkeit dar. Wenn der alte Besitzer bereits die Abmeldung vorgenommen hat, muss der Käufer sein Fahrzeug per Überführung in die neue Heimat bringen. Weiterhin kann es vorkommen, dass Leasing Rückläufer oder Fahrzeuge ohne TÜV beziehungsweise Zulassung ihre Position wechseln müssen. Auch Neufahrzeuge, die auf dem Weg vom Werk zum Händler sind, werden überführt.

Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, vor Ort jedoch sein eigenes Fahrzeug nutzen möchte, kann ebenfalls die Überführung nutzen. Das Gleiche gilt für Ausflüge, deren Teilstück etwa mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wird. Weiterhin ist der Fahrzeugtransport auch bei Oldtimern oder seltenen Sportwagen sinnvoll, um den Kilometerstand zu schonen und den Wert der Fahrzeuge damit zu erhalten.

Welche Möglichkeiten für eine Überführung gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um ein Fahrzeug von A nach B zu überführen. Entweder kann das Fahrzeug mit eigener Kraft, also auf eigener Achse, bewegt werden. Oder das Auto wird auf einen Anhänger beziehungsweise den Transporter verladen und mit Hilfe einer Zugmaschine an seinen neuen Bestimmungsort gebracht. Hierbei handelt es sich um die Überführung auf fremder Achse. Beide Varianten bieten grundsätzlich Vor- und Nachteile, doch nicht immer lassen sich beide Möglichkeiten der Überführung nutzen.

Die Überführung auf eigener Achse

Nahaufnahme Autoreifen Hinterrad

Die Fahrzeugüberführung auf eigener Achse stellt die einfachste und damit auch günstige Variante des Transports dar. Damit dies jedoch möglich ist, muss das Auto nicht nur fahrbereit sein, sondern seit dem 1. April 2015 auch eine gültige Hauptuntersuchung besitzen (Ausnahmen sind hier mit roten Überführungskennzeichen für gewerbliche Anbieter möglich).

Sofern diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Privatpersonen ein Kurzzeitkennzeichen beantragen. Dafür sind alle erforderlichen Unterlagen, wie Fahrzeugbrief oder eVB-Nummer der Haftpflichtversicherung, bei der Zulassungsbehörde beziehungsweise dem Straßenverkehrsamt vorzulegen. Ein Kurzzeitkennzeichen ist maximal fünf Tage gültig. In diesem Zeitraum ist die Überführung innerhalb von Deutschland problemlos möglich.

Muss das entsprechende Fahrzeug jedoch ins Ausland gebracht werden, so ist in den meisten Fällen das Ausfuhrkennzeichen, früher auch als Zoll- oder Exportkennzeichen bekannt, erforderlich. Auch diese Art des Kennzeichens lässt sich beim Straßenverkehrsamt beziehungsweise der Zulassungsbehörde beantragen. Je nach Ausfuhrland betragen die Kosten zwischen 30 und 50 Euro. Die Gültigkeitsdauer beträgt ebenfalls fünf Tage. Im Gegensatz zum Kurzzeitkennzeichen ist zusätzlich zur Haftpflichtversicherung jedoch die internationale Versichertenkarte, kurz IVK, vorzulegen. Damit wird nachgewiesen, dass die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs auch im Ausland gültig ist. Die internationale Versichertenkarte lässt sich ganz einfach bei der Versicherung betragen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht alle Länder anerkannt werden.

Händler, Werkstätten und gewerbliche Anbieter von Überführungen haben die Möglichkeit, die roten Kennzeichen zu verwenden. Diese Art des Kennzeichens ist nicht fahrzeuggebunden. Es wird beispielsweise verwendet, um interessierten Käufern eine Probefahrt bei abgemeldeten Fahrzeugen zu ermöglichen sowie die Fahrt zur Hauptuntersuchung oder auch Überführungen innerhalb der Europäischen Union vorzunehmen.

Das rote Kennzeichen darf nicht von Privatpersonen genutzt werden und ist daher auch als „Händlerkennzeichen“ bekannt. Auch für die Beantragung der roten Nummernschilder muss eine gültige Versicherung vorliegen. Zudem sind jährliche Steuern zu zahlen. Der korrekte Gebrauch der Kennzeichen ist mit Hilfe eines Fahrtenbuchs nachzuweisen.

Die Überführung auf fremder Achse

Geschlossener Autotransporter

Die Alternative zur Überführung auf eigener Achse stellt der Transport auf fremder Achse dar. Hierbei wird das Fahrzeug in der Regel mittels Transporter oder auf einen Anhänger verladen und per Zugmaschine von A nach B gebracht. Während auf dem Anhänger meist nur ein Auto seinen Platz findet, kann der Lkw gleich mehrere Fahrzeuge auf einmal überführen.

Die professionellen Anbieter kümmern sich nicht nur um die Überführung des Autos, sondern auch um den erforderlichen Papierkram und die optionalen Versicherungen sowie die zusätzlichen Extras, wie eine anschließende Reinigung. Die Überführung auf fremder Achse lohnt sich vor allem bei teuren und selten Fahrzeugen, um den Kilometerstand zu schonen. Allerdings können auch ältere Autos, die nicht mehr fahrtauglich sind oder keine Straßenzulassung besitzen, durch eine Spedition transportiert werden. Für Luxuskarossen oder Oldtimer, die besonders wertvoll sind, ist die Überführung im geschlossenen Transporter möglich. Dabei fallen jedoch deutlich höhere Kosten an.

Mit welchen Kosten ist bei einer Überführung zu rechnen?

Die Überführung eines Fahrzeugs ist immer mit Aufwand und Kosten verbunden. Am günstigsten ist dabei der Transport auf Eigenachse. Diese Variante eignet sich vor allem bei kürzeren Fahrten sowie für Überführungen, bei denen lediglich ein einzelnes Fahrzeug von A nach B transportiert werden muss. Bei der Berechnung einer Überführung auf eigener Achse sind vor allem der Benzinverbrauch sowie die Reisekosten für den Fahrer zu beachten. Außerdem können Kosten für das entsprechende Kennzeichen hinzukommen.

Zug am Bahnhof

Wird ein professioneller Service in Anspruch genommen, kommen der Stundenlohn für den Fahrer und eventuelle Übernachtungskosten dazu. Die genauen Kosten hängen stark von den individuellen Standorten von Fahrer und Fahrzeug ab, und den damit verbundenen Reisekosten. Ein Transfer von München nach Hamburg, also auf einer Strecke von etwa 800 Kilometern, kann somit zwischen 300 und 600 Euro kosten. Die Überführung auf fremder Achse, also beispielsweise im Autotransporter, kann allerdings noch einmal deutlich teurer werden. Je nachdem, ob die Formalitäten übernommen und spezielle Sonderwünsche erfüllt werden, fallen Kosten von mindestens 900 Euro an. Nicht selten ist für diese Art der Überführung ein Gesamtpreis im vierstelligen Bereich zu zahlen.

Was ist bei der Überführung zu beachten?

Auch Privatpersonen sind gut beraten, wenn Sie einen professionellen Anbieter für die Überführung des eigenen Fahrzeugs beauftragen. Das ist zwar etwas teurer als ein selbstständiger Transport, allerdings lässt sich viel Papierkram und Zeitaufwand einsparen. Bei der Suche nach einem entsprechenden Dienstleister ist jedoch Vorsicht geboten. Im Internet sind viele Anzeigen von privaten Anbietern zu finden, die eine Überführung für wenig Geld möglich machen. Davon ist unbedingt Abstand zu nehmen! Diese Fahrer sind nicht für entsprechende Fahrzeugtransporte geschult, zudem besteht in aller Regel kein Versicherungsschutz. Sollte es während der Überführung zu einem Unfall kommen, sind die Kosten vom Fahrzeugbesitzer zu übernehmen.

Übrigens sind Rote Kennzeichen niemals zu verleihen. Privatpersonen machen sich damit strafbar, denn die roten Nummernschilder dürfen nur von Händlern und Gewerbetreibenden genutzt werden. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, ein professionelles Unternehmen mit dem Transport des Autos zu beauftragen. In diesem Fall läuft die Überführung ohne Probleme und vor allem ohne rechtliche Konsequenzen ab. Vor der Durchführung werden der Zustand des Fahrzeugs sowie mögliche Vorschäden mit einem Protokoll festgehalten, damit während der Überführung entstandene Schäden im Anschluss abgerechnet werden können.

Gelten bei Überführungen ins Ausland besondere Regelungen?

Schild Landesgrenze Schweiz

Bei einer Überführung auf eigener Achse ist, wie bereits erwähnt, neben dem Ausfuhrkennzeichen auch die internationale Versichertenkarte, kurz IVK, erforderlich. Darüber hinaus sind die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie eventuelle Zollvorschriften zu beachten. Beispiel Deutschland: Hierzulande gilt für PKW ein Importzoll in Höhe von 10 Prozent auf die Summe aus Kaufpreis und Transportkosten. Bei einem Neuwagen ist eine Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent zu zahlen (16 % vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 durch das "Corona-Steuerhilfegesetz"; Quelle: zoll.de). Die Anmeldung dafür ist selbst zu übernehmen – sonst droht eine Nachzahlung in Verbindung mit hohen Strafen. Wer versucht, Waren im Wert von mindestens 700 Euro nach Deutschland zu schmuggeln, der macht sich wegen versuchter Steuerhinterziehung strafbar. Das gilt sogar für den Inhalt des Fahrzeugs. Ähnliche Regelungen gelten auch im Ausland. Daher sind bei der Überführung ins Ausland stets die notwendigen Informationen einzuholen.